DGNB veröffentlicht System für Bestandsquartiere

Quartiere spielen für die Erreichung von Nachhaltigkeits- und Klimaschutzzielen im Bauen eine zentrale Rolle. Seit 2011 nutzt die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eine eigene Zertifizierungsvariante für Quartiere. Diese legt seinen Fokus aber auf neu entstehende Quartiere. Nun veröffentlicht die DGNB ein System für bestehende Quartiere sowie deren Sanierung.
Das ändert sich mit dem neuen System
Das neue System unterstützt Bestandshalter, Kommunen, Sanierungsträger und Wirtschaftsförderer dabei, den Ist-Zustand eines Quartiers zu bewerten und eine Maßnahmenstrategie zu entwickeln.
Es ist auch für Baugenossenschaften und heterogene Eigentümerstrukturen anwendbar.
Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorständin der DGNB, erklärt: „Uns geht es bei all dem weniger um die Auszeichnung von Leuchtturm-Projekten als vielmehr um die Transformation in der Breite“.
Im Unterschied zur DGNB-Neubauzertifizierung stellt das neue System Erhalt, Weiternutzung und die Bindung von grauer Energie in den Mittelpunkt. Den Beitrag einzelner Maßnahmen zur Transformationsleistung gewichtet die DGNB stärker als bisher. Sie will schrittweises Handeln fördern und honoriert auch Teilerfolge. Die Anforderungen der Einstiegsstufen senkte die DGNB im Vergleich zur Zertifizierung von neu gebauten Quartieren.
Kriterienkatalog bündelt 15 Kriterien
Die DGNB testete die Kriterien bereits an sieben Pilotprojekten. Dabei zeigte sich, dass diese Systementwicklung im Vergleich zu anderen Varianten der DGNB-Zertifizierung herausfordernd war. Gründe dafür waren die heterogenen Eigentumsstrukturen, Datenlücken sowie eine Diversität beim Zustand der vorhandenen Bausubstanz. Sie machten es schwierig, ein gemeinsames Set an Anforderungen zu formulieren, das optimal anwendbar ist und zugleich keine unnötigen Kosten und Aufwand erzeugt.
Im Vergleich zum bestehenden Quartierssystem fällt die Zertifizierung für Bestandsquartiere kompakter aus. Sie umfasst insgesamt 15 Kriterien und damit weniger als die Hälfte der Kriterien des bestehenden Systems.
Bewertung führt Quartiere Richtung Klimaneutralität
Das am stärksten gewichtete Kriterium heißt „Klima und Energie“. Es soll Quartiere auf angemessene Art und Weise in Richtung Klimaneutralität führen. Grundlage ist ein Energiekonzept, das individuelle CO2-Reduktionspfade festlegt. Die Umsetzung von Niedrigst-CO2-Maßnahmen belohnt die DGNB besonders.
Ein zentrales Thema bleibt auch die Resilienz im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels. Das betrifft die ökologischen Kriterien Wasser, Biodiversität sowie Fläche und Boden. Hinzu kommen die ökonomischen Kriterien Klimaanpassung und Umweltrisiken sowie Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.
Auch soziale Aspekte fließen in die Bewertung ein: Die Kriterien betreffen Vielfalt für Menschen, Freiraum, Mobilität und die Einbindung des Quartiers ins Umfeld. Partizipationsprozesse und ein systematisches Quartiersmanagement werden ebenfalls belohnt, damit sich Nachhaltigkeitspotenziale in Betrieb und Nutzung langfristig ausschöpfen lassen.
Informationen zur neuen Variante der DGNB-Zertifizierung für Bestandsquartiere finden Sie hier. Dort gibt es auch den vollständigen Kriterienkatalog kostenlos als Download.
