Wohnungsbau 2025: Tiefstand seit über einem Jahrzehnt – und kein Ende in Sicht

Der deutsche Wohnungsbau hat 2025 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im vergangenen Jahr nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2012. Damit sank die Zahl fertiggestellter Wohnungen bereits im zweiten Jahr in Folge deutlich, nachdem 2021 bis 2023 noch rund 294.000 Einheiten jährlich gebaut worden waren.
Rückgänge quer durch alle Gebäudetypen
Der Einbruch trifft alle Bereiche. Bei Einfamilienhäusern wurden mit 41.800 fertiggestellten Einheiten 23,3 Prozent weniger gebaut als im Vorjahr. In Mehrfamilienhäusern – der zahlenmäßig stärksten Kategorie – sank die Zahl um 18,9 Prozent auf 109.800 Wohnungen. Besonders hart traf es den Osten Deutschlands. Dort gingen die Fertigstellungen von Neubauwohnungen um 34,3 Prozent zurück, mehr als doppelt so stark wie im Westen mit minus 16,7 Prozent. Hinzu kommt: 2025 erloschen 35.700 Baugenehmigungen – der höchste Wert seit 2002 und ein Anstieg von rund einem Viertel gegenüber dem Vorjahr.
Bauüberhang zeigt brachliegendes Potenzial
Rund 760.700 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen stecken im Bauüberhang – Projekte, die an Finanzierungshürden, gestiegenen Zinsen und hohen Materialpreisen hängen. Die durchschnittliche Dauer von der Genehmigung bis zur Fertigstellung hat sich seit 2020 um sieben Monate auf 27 Monate verlängert.
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, kommentiert nüchtern: „Die heutigen Fertigstellungszahlen sind bitter, aber nicht überraschend. Hinter diesen Zahlen stehen Hunderttausende Familien, die keine bezahlbare Wohnung finden. Die Durststrecke bei den Fertigstellungen ist noch nicht vorbei."
Genehmigungen steigen – aber nicht genug
Ein vorsichtiger Lichtblick: Die Zahl der Baugenehmigungen stieg 2025 um 10,6 Prozent auf 238.100 – der erste Anstieg seit 2021. Für 2026 erwartet das Baugewerbe aufgrund der schwachen Genehmigungsjahre 2023 und 2024 dennoch ein Verharren auf niedrigem Niveau von 210.000 bis 220.000 fertiggestellten Wohnungen. Für eine echte Trendwende wären nach Pakleppa rund 400.000 Genehmigungen jährlich nötig – selbst bei sofortigem Erreichen dieses Ziels wäre die Wirkung auf Fertigstellungen frühestens 2028 spürbar.
Der Verband fordert von der Politik drei konkrete Schritte: die Ausweitung der Sonder-AfA im Mietwohnungsbau auf den EH-55-Standard, den Abbau von Finanzierungshürden zur Realisierung genehmigter Projekte sowie die Einführung einer einheitlichen Baubeginn-Statistik, um den Bauüberhang besser einordnen zu können.
