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Energieautarke Mehrfamilienhäuser mit Infrarotheizung und PV

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Im Erzgebirge geht die Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG neue Wege beim Bauen, Heizen und Vermieten. Trotz des hohen Leerstands in Schwarzenberg südlich von Chemnitz baut sie drei Mehrfamilienhäuser, die durch ihre hohe Energieautarkie zahlreiche Vorteile für Mieter, Vermieter und das Klima haben werden. Der Schlüssel dazu ist das vollelektrische solare Energiekonzept, das auf Solarstromanlagen (Photovoltaik) auf den Dächern und an den Fassaden, Batteriespeichern und hocheffizienten Infrarotheizungen basiert.

Illustration der drei hochgradig energieautarken Mehrfamilienhäuser in Schwarzenberg.

Das Energiekonzept und die besondere Solararchitektur für die hochgradig energieautarken Mietshäuser haben Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld aus Freiberg und das Autarkie-Team erstellt. „Wir waren sofort begeistert von dem völlig neuen Ansatz“, sagt Enrico Schaarschmidt, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Michael Förster hat er den Energieexperten Leukefeld vor zwei Jahren in einem Vortrag gehört. „Das klimaschonende, vollelektrische und enttechnisierte Konzept hat uns so überzeugt, dass wir jetzt drei Mehrfamilienhäuser mit jeweils sieben Wohnungen mit diesem Konzept bauen.“ 

Es sind die ersten Mehrfamilienhäuser im Erzgebirge, deren Energiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung und Haushaltsstrom zu rund 60 Prozent mit selbst erzeugtem Solarstrom gedeckt wird. „Wir betrachten die Häuser als Ergänzung in dem Wohngebiet Sonnenleithe, das in den vergangenen Jahren durch Rück- und Umbau zerrupft wurde. Mit dem neuen Wohnungsangebot machen wir das Wohngebiet zukunftsfähig und wieder interessanter“, sagt Schaarschmidt. 

Pauschalmiete mit Energieflatrate 

Viel verspricht er sich auch von der Pauschalmiete mit Energieflatrate in dem hochwertigen Wohnraum. Die auf anfänglich fünf Jahre garantierte Pauschalmiete inklusive aller Wohn- und Nebenkosten schützt die Mieterinnen und Mieter vor explodierenden und unkalkulierbaren monatlichen Ausgaben. Ermöglicht wird die Pauschalmiete durch den hohen Solarertrag. Auf und an jedem Haus werden Solarmodule mit knapp 80 Kilowatt Leistung installiert. Strom, der nicht direkt verbraucht werden kann, wird im Batteriespeicher zwischengespeichert.

Der selbst erzeugte Solarstrom ist nicht nur deutlich günstiger als Strom vom Energieversorger, sondern garantiert auch langfristig planbare Energiekosten. 

Leukefeld und sein Autarkie-Team haben kalkuliert, dass die Gesamtenergiekosten für Heizung, Warmwasser, Haushalts- und Allgemeinstrom bei circa 95 Cent je vermietbarem Quadratmeter und Monat liegen werden. „Bei ähnlichen Neubauwohnungen, die nicht hochgradig energieautark sind, belaufen sich diese Kosten auf 2,50 bis 4,00 Euro je Quadratmeter und Monat“, sagt Leukefeld zum Vergleich. Dieser Betrag beinhaltet die Heizkostenabrechnungskosten und Zählergrundgebühr für Stromzähler, die bei einer Pauschalmiete entfallen. 

Wohnungsgenossenschaft mit wechselvoller Historie und neuen Herausforderungen 

Die Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG hat eine wechselhafte Vergangenheit hinter sich. Das Ursprungsunternehmen wurde 1954, also vor 72 Jahren, gegründet. Damals retteten Bürgerinnen und Bürger brauchbares Material aus den im Zweiten Weltkrieg zerbombten Häusern und schufen so neue Heime. Die neu gegründete Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft bot ihnen Hilfe zur Selbsthilfe. In der DDR-Zeit wurden dem Wohnungsunternehmen Gebiete zugewiesen. Auf denen sollte schnell viel Wohnraum geschaffen werden. 

1990 wurde das Unternehmen in die Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG umgewandelt und es begann eine neue Ära. Waren in der Vorwendezeit noch viele Plattenbauten errichtet worden, veränderte sich der Bedarf schlagartig nach der Wende. Wohnungen mussten saniert werden, um sie attraktiv zu machen. Rund 80 Wohnungen wurden an Mitglieder verkauft, um Altschulden abzubauen. „In Hochzeiten hatten wir fast 2.600 Wohnungen, heute sind es rund 1.800“, berichtet Schaarschmidt. Der Leerstand, der 2001 bei 27 Prozent lag, konnte durch Rückbau auf circa 12 bis 14 Prozent gesenkt werden. In den vergangenen Jahren wurde auch in barrierearmes und Mehrgenerationen-Wohnen investiert. 

„Die Anforderungen haben sich stark verändert“, sagt der Vorstandsvorsitzende Schaarschmidt. „Wir haben komplett andere Herausforderungen als in Großstädten, wo Wohnungsknappheit herrscht. Aber wir haben alle die gleichen neuen Verpflichtungen, zum Beispiel, den Kriterien der Energiewende Rechnung zu tragen.“ Dementsprechend beschäftigen sein Team und er sich viel mit Ansätzen, um ihre Gebäude und ganze Quartiere in Richtung der politisch gewollten Klimaziele bis 2045 zu bringen. 

„Es gibt viele sinnvolle Ansätze und auch einige sinnfreie. So haben wir zum Beispiel in Schwarzenberg auf Initiative der Kommune mit den großen Wohnungsanbietern und vielen Ingenieurbüros versucht, ein energetisches Quartierskonzept für ein ganzes Plattenbaugebiet zu skizzieren. Unter dem Strich kamen utopische Investitionen und nahezu unmögliche technische Umsetzungen heraus“, erzählt er. Bei einem durchschnittlichen Mietpreis von fünf Euro je Quadratmeter in der Genossenschaft sei es finanziell äußerst schwierig, die gewünschten Klimaziele in der Haustechnik umzusetzen.

Enttechnisierung spart Kosten und erleichtert Erreichen von Klimazielen 

Deswegen spricht der Ansatz der Enttechnisierung des Autarkie-Teams den Vorstand auch sehr an. Vor allem durch die Systeme für die Raumheizung und die Warmwasserbereitung können hohe Kosten eingespart werden. Anstelle einer wasserführenden Heizung werden elektrische Infrarotheizungen eingebaut. Die wartungsfreien Infrarotheizgeräte, die eine garantierte Lebensdauer von 30 Jahren haben, werden in den Räumen an die Decken montiert und einfach an Stromleitungen angeschlossen. Rohre für die Wärmeverteilung sind nicht nötig. 

Trinkwassererwärmung mit Autarkie-Boilern 

Das Wasser zum Trinken und Duschen wird dezentral mit Autarkie-Boilern erwärmt, die eigens für hochgradig energieautarke Häuser entwickelt wurden. Ein Autarkie-Boiler hat zwei Heizstäbe, von denen einer für die Nutzung von Solarstrom reserviert ist. So wird der Bedarf an Strom aus dem Netz für die Warmwasserbereitung reduziert. Durch die dezentrale Trinkwassererwärmung entfällt außerdem die jährliche Legionellenprüfung, was weitere Kosten spart. „Da der Energiebedarf für die Raumheizung in gut gedämmten neuen Gebäuden deutlich geringer ist als in älteren Gebäuden, steckt in der Warmwasserbereitung heute ein größeres Potenzial für die Einsparung“, erklärt Leukefeld. „Dieser Energiebedarf ist jetzt anteilig höher, deshalb können mit smarter Technik in diesem Bereich nun mehr Geld und Energie eingespart werden.“ Schaarschmidt und Förster resümieren: „Der Ansatz von Professor Leukefeld, möglichst wenig anfällige Technik in den Gebäuden zu verbauen, ist in unseren Augen goldrichtig.“ 

Einsparpotenzial gab es auch durch die Planung von drei Häusern. Im Detail musste lediglich das erste geplant werden. Die anderen beiden Mehrfamilienhäuser in Schwarzenberg werden baugleich und mit gleicher Energietechnik errichtet. 

Seit Ende August herrscht auf der Baustelle in der Sonnenleithe nun Betrieb. „Wir bauen einen Leuchtturm und zeigen, dass es auch anders geht zu bauen. Und wir setzen dem Rückbau etwas entgegen“, sagt Enrico Schaarschmidt. In den drei baugleichen Mehrfamilienhäusern wird es jeweils sieben Wohnungen geben. Zum großen Teil sind großzügige 3- und 4-Raum-Wohnungen mit 85 bis 104 Quadratmetern Wohnfläche geplant. Zudem gibt es eine Maisonettewohnung für ein bis zwei Personen mit 74 Quadratmetern Wohnfläche in jedem Haus.

Am Mittwoch, 30. September 2026, vormittags findet zunächst die Grundsteinlegung mit geladenen Gästen statt. Anschließend, von 13 bis 16 Uhr, lädt das Wohnungsunternehmen interessierte Bürgerinnen und Bürger zur öffentlichen Auftaktveranstaltung in den benachbarten Genossenschaftstreff Am Fichtbusch 61 ein. 

Die Projektdaten im Überblick

Projekt: Neubau von drei hochgradig energieautarken Wohngebäuden 
Bauherr: Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG 
Planung: Architekturstudio Klaus Hennecke, Dipl.-Ing. Klaus Hennecke 
Planung Energiekonzept: Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld 
Projektsteuerung: Jürgen Kannemann

Eckdaten für ein Mehrfamilienhaus: 7 Wohnungen mit 85 bis 104 m² Wohnfläche
Gebäudestandard: KfW Effizienzhaus 55 
Pauschalmiete für Wohnen, Wärme, Strom 
Gesamtenergiekosten für Heizung, Warmwasser, Haushalts- und sonstigen Strom: ca. 0,95 € pro m² vermietbare Wohnfläche im Monat 
Wohnfläche: 608 m²
Energiebezugsfläche (Gebäudenutzfläche AN): 915 m²
Gesamtstrombedarf: 57.625 kWh/a
Spezifischer Heizstrombedarf: 20 kWh/(m²*a) 
Haushaltsstrombedarf: ca. 2.000 bis 2.500 kWh/(WE*a) 
Photovoltaik: 77,8 kWp Gesamtleistung (65,2 kWp auf Dach, 12,6 kWp auf Fassade) 
Batteriespeicher: 56 kWh Speicherkapazität 
Warmwarmwasserbereitung: Autarkie-Boiler 
Infrarotheizungen: ein Infrarotheizgerät pro Zimmer 
 

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