10 Jahre haustec.de - Diese Themen haben die Branche geprägt

Von effizienteren Neubauten über die Energiekrise bis zur Frage, welche Heizung zu welchem Gebäude passt: In zehn Jahren haben sich die Prioritäten der Gebäudetechnik verschoben. Ein redaktioneller Rückblick - Jahr für Jahr - auf die Themen, die Planung, Handwerk und Gebäudebetrieb in Deutschland besonders beschäftigt haben.
2016: Effizienz und verlässlicher Betrieb
Für Neubauten galten ab Januar 2016 strengere energetische Anforderungen durch die EnEV. Weitere Themenschwerpunkte waren Trinkwasserhygiene und sichere Warmwasserbereitung. Bei Heizungsanlagen ging es vermehrt um eine gute Wärmeverteilung und den hydraulisch sauberen Betrieb.
2017: Alte Heizungen, neue Stromideen
Der Austausch ineffizienter Heizkessel blieb ein Thema; seit Januar 2017 sollte ein Energieeffizienzlabel für ältere Anlagen zusätzliche Aufmerksamkeit dafür schaffen. Zugleich rückte das Gebäude als Ort der Stromerzeugung stärker in den Blick: Das Mieterstromgesetz eröffnete neue Fördermöglichkeiten für Solarstrom vom Dach eines Wohngebäudes.
2018: Gebäude werden Teil eines größeren Systems
Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie setzte Impulse für die Sanierung und für intelligentere Gebäudetechnik. In der Klima- und Kältetechnik gewann außerdem die Wahl der Kältemittel an Gewicht: Der europäische Phase-down verringerte 2018 die verfügbaren Mengen teilfluorierter Kohlenwasserstoffe deutlich. Effizienz betraf damit längst nicht mehr nur die Heizung, wobei viele Fragen rund um die Modernisierung alter Heizungsanlagen drängender wurden.
2019: Klimaschutz wird zur Investitionsfrage
Mit dem Klimaschutzprogramm 2030 rückte der Gebäudesektor stärker in den Mittelpunkt der Bundespolitik. Die geplante CO₂-Bepreisung für Heizöl und Erdgas, Förderanreize für Sanierungen und der künftige Umgang mit Ölheizungen veränderten die Perspektive: Beim Heizungstausch ging es nicht mehr allein um den Preis der neuen Anlage, sondern zunehmend auch um ihre langfristigen Kosten. Die CO₂-Bepreisung wurde 2019 beschlossen und startete 2021. Außerdem rückte das Thema solares Heizen langsam in den Fokus.
2020: Neue Regeln und ein neuer Blick auf die Raumluft
Im November trat das Gebäudeenergiegesetz in Kraft. Es führte zuvor getrennte Regeln für Energieeffizienz und erneuerbare Wärme in einem Gesetz zusammen. Gleichzeitig machte die Corona-Pandemie die Lüftung von Innenräumen zu einem Thema, das Schulen, Büros, Betreiber und Fachbetriebe gleichermaßen beschäftigte. Alle Beiträge rund um die Corona-Zeit finden Sie hier: https://www.haustec.de/coronavirus
2021: Förderung gibt der Sanierung Schub
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude startete und ordnete die Unterstützung für energetische Maßnahmen neu. Hinzu kam der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe. Für Eigentümer wurde damit die Frage drängender, welche Modernisierung sinnvoll ist – und welche Förderung sich dafür nutzen lässt.
2022: Die Energiekrise ändert die Prioritäten
Am 24. Februar startete Russland seinen bis heute andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Folgen waren u.a. sehr hohe Energiepreise und die Sorge um die Gasversorgung. Plötzlich standen kurzfristige Maßnahmen wie Energiesparen und das Optimieren bestehender Heizungen neben langfristigen Entscheidungen über Wärmepumpen und andere Versorgungswege. Versorgungssicherheit wurde zu einem ebenso wichtigen Argument wie Effizienz und Klimaschutz.
2023: Wie heizen wir künftig?
Kaum ein Gebäudetechnikthema wurde so intensiv diskutiert wie die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes., die kurze Zeit später medial zum "Heizungsgesetz" umgetitelt wurde. Besonders die Bildzeitung tat sich mit reißerischer Berichterstattung rund um "Habecks Heiz-Hammer" hervor. Parallel nahm die kommunale Wärmeplanung Gestalt an: Soll ein Gebäude künftig an ein Wärmenetz angeschlossen werden oder braucht es eine eigene Lösung? Beide Gesetze wurden 2023 beschlossen und traten zum 1. Januar 2024 in Kraft.
2024: Die Wärmewende kommt in der Planungspraxis an
Mit den neuen gesetzlichen Regeln wurden Heizungstausch, Förderung und kommunale Wärmeplanung zu konkreten Planungsaufgaben. Auf europäischer Ebene setzte die neue Gebäuderichtlinie weitere Impulse für den Gebäudebestand. Auch die neue F-Gas-Verordnung war für Klima-, Kälte- und Wärmepumpentechnik relevant.
2025: Wärmepumpen legen zu – der Gesamtmarkt nicht
Die Wärmepumpe blieb ein zentrales Thema, doch der Heizungsmarkt entwickelte sich uneinheitlich. Nach Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie wurden 2025 rund 299.000 Heizungs-Wärmepumpen verkauft – 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Absatz aller Wärmeerzeuger sank dagegen um 12 Prozent. Umso wichtiger wurden verlässliche Investitionsentscheidungen: Welche Technik passt zum Gebäude, und unter welchen Bedingungen rechnet sie sich?
2026: Die passende Lösung für das ganze Gebäude
Stand Oktober 2026 sind wichtige Themen: Wärmepumpen und ihre fachgerechte Auslegung, die energetische Sanierung der vielen Bestandsgebäude und welche Kosten dabei auf die Bürger und Firmen zukommen. Dazu gibt es seit Ende Juli einen neuen rechtlichen Rahmen: Seit dem 29. 7. gelten wesentliche Teile des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Die bisher einheitliche Vorgabe, neue Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie zu betreiben, ist entfallen; die Förderung klimafreundlicher Heizungen wird fortgeführt. Für größere Kommunen war zudem der 30. Juni 2026 die Frist für einen Wärmeplan, kleinere haben bis Mitte 2028 Zeit.
Was sich in zehn Jahren verändert hat
2016 stand häufig die einzelne Anlage und ihr zuverlässiger Betrieb im Vordergrund. 2026 lautet die Frage immer öfter: Wie passen Heizung, Warmwasser, Kühlung und Gebäudehülle wirtschaftlich und technisch zusammen – und welche Energieversorgung ist vor Ort sinnvoll? Gebäude- und Energiemanagmentsysteme werden immer wichtiger und die Solarbranche erlebt ein zweites Jahr einen neuen Boom. Der könnte nun allerdings mit den EEG-Änderungen und neuen Netzregeln schnell zu Ende sein. Im Gegensatz zum Irankrieg, der sich seit Februar hinzieht - Ende offen - und eine neue Energiekrise ausgelöst hat.
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